Die Französische Revolution war ein Experimentierfeld für die Neugestaltung der modernen Gesellschaft. Auf allen gesellschaftspolitisch relevanten Ebenen wurden neue Praktiken ausprobiert und emanzipatorische Neuordnungsmodelle entworfen. Dieses „Musterbuch der Moderne“ experimentierte mit der politischen Ordnung, neuen ökonomischen und sozialen Beziehungen und Geschlechterverhältnissen sowie mit der politischen Kultur insgesamt. Dafür werden prägnante Originaltexte erläutert und dokumentiert, die für gesellschaftliche Entwicklungen bis heute relevant sind. Die Vielzahl der Themenbereiche umfasst: Aufstand und Revolution, Verfassung und Demokratie, Emanzipation und Demokratisierung der Gesellschaft, Sozialreform und Sozialismus, Antimilitarismus und Völkerrecht, schließlich auch programmatische Abgründe der Revolution.
Dies ist die umfangreichste Chronologie des Kampfes gegen die Atomkraft in Deutschland von ihren Anfängen bis zum Jahr 2011. Die Bewegung ist nun knapp vierzig Jahre aktiv und wächst noch immer. War der Widerstand in seinen Anfängen regional und auf die Aktivisten der Linken beschränkt, so ist er heute eine Volksbewegung, die selbst eine schwarz-gelbe Regierung dazu zwang, einen schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie zu versprechen. Ob der Ausstieg vollzogen wird hängt nicht zuletzt vom kontinuierlichen Kampf der Bewegung ab. Noch sind zahlreiche Kernkraftwerke am Netz, noch versuchen die Energiekonzerne einen Ausstieg aus dem Ausstieg durchzusetzen.
Warum Spekulation und Staatsverschuldung nicht die Ursache der Krise sind
Im globalen Finanzmarktcrash entladen sich die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft. Der akute Krisenschub nimmt zwar von den Finanzmärkten seinen Ausgang, die Ursachen liegen aber tiefer.
Die derzeitige Wirtschaftskrise ist die Folge eines aus den Fugen geratenen Finanzkapitalismus, so der allgemeine Konsens, verschärft durch hohe Verschuldung und verantwortungslose Spekulation. Man gibt die Schuld dem wachsenden Ungleichgewicht zwischen Ländern mit geringen Investitionen und hohem Konsumniveau wie den USA und sich schnell entwickelnden Wirtschaftsregionen wie China und Südasien.
»Soziale Revolution – oder Scheiße für immer!« Nur: Wie den so dringend benötigten Umbruch organisieren? Und vor allen Dingen: Wie dafür Sorge tragen, dass am Ende tatsächlich eine gerechtere Gesellschaftsform auf dem Siegertreppchen steht? Fünf junge Weltverbesserer – von den ständigen Reibereien mit der Staatsmacht ebenso zermürbt wie vom zwischenzeitlichen Stress mit dem Gangsternachwuchs aus der Nachbarschaft – machen sich auf den Weg, den ewigen Unsicherheitsfaktor Mensch ein für alle Mal auszuschalten. Da die autonome Rasselbande ihrerseits aber auch nur aus Fleisch und Blut besteht, kommt den Plänen des Quintetts schon bald allzu Menschliches in die Quere: Intrigen, Liebeshändel, Tod, rauschbedingte Torheiten.
Unsere Kultur ist besessen von der Kontrolle über den weiblichen Körper, sie quillt über von Darstellungen unwirklicher weiblicher Schönheit. Gleichzeitig weidet sich die Presse an magersüchtigen Starlets, schwangeren Unterschichts-Teenagern und feuchten Schoßgebeten. Laurie Penny, jung und zornig, stellt die versteckten Strukturen der Verdinglichung bloß, die solchen Marktstrategien zugrunde liegen.
Im Zuge der europäischen Schuldenkrise seit Ende 2009 zählen Rating-Agenturen zu den prominentesten Neuankömmlingen in der Arena der öffentlichen Wahrnehmung. Es gibt zwar verschiedenste Standpunkte zu ihrer Rolle in der vorherrschenden Krise, doch der maßgebliche Einfluss dieser Institutionen auf die betroffenen Staaten und Finanzmärkte erscheint als unumstritten.
Die Sicherheitsphilosophie der europäischen Staatsschutzorgane postuliert eine permanente »Gefährdungslage«. Operativ reagieren diese auf ihre eigenen Postulate mit flächendeckender Überwachung, Erstellung lückenloser Bewegungsprofile und Sammlung unzähliger personenbezogener Daten – ob Konsumverhalten, Telefonverkehr oder Internetnutzung. Der Feindbegriff wird auf das Potentielle, das nicht Angepasste, das Eigenständige erweitert. Die Erweiterung des Feindbegriffs wird begleitet von einer permanenten Militarisierung der Polizei, in der die Grenze zwischen sich und dem traditionellen Militär - als Beispiel Genua 2001 - letztlich auflöst ist.
In biologistischer Sichtweise werden Geschlecht und Sexualität miteinander verknüpft. Es gibt männliche und weibliche Sexualität, egal ob homo oder hetero. Ilka Quindeau stellt diese Festlegungen in einem originellen Rückgriff auf Freud in Frage. Sie entwickelt ein Konzept von Bisexualität, die nicht nur in der Richtung des Begehrens offen ist, sondern auch im eigenen Empfinden nicht auf "männlich" oder "weiblich" festgelegt ist. Lustempfinden und Begehren sind demnach nicht einseitig im Körper verwurzelt, sondern bilden sich als Antwort, als Reaktion auf das heraus, was ihm von außen Befriedigung bereitet
Auf der Suche nach den "eigenen" Formen der Lust bewegt sich das Individuum in einem gesellschaftlich geprägten Rahmen von Geschlecht und Begehren. Es findet sich einem Gefüge von Normen und Grenzen der Toleranz gegenüber, das im sozialen Leben ebenso wie in kultureller und künstlerischer Praxis zum Ausdruck kommt. Die Beiträge der hier dokumentierten Vortragsreihe an der Universität Mainz beschäftigen sich mit der Schnittstelle zwischen der Individualität und diesen Normen. Sie fragen danach, wie sich "sexuelle Identitäten", wie sich auch Fetische herausbilden, wie Normen und Zuordnungen in queerer Praxis, in provokanter Inszenierung der Körper und in neuen sozialen und kulturellen Performanzen durchbrochen werden können, und zeigen, wie sich in diesen Brüchen emanzipatorisches Potenzial entfaltet.