Innerhalb des dauerkriselnden kapitalistischen Wirtschaftssystems entwickelt sich das bedingungslose Grundeinkommen immer stärker zu einer sozialpolitischen Alternative. In den weltweiten sozialen Bewegungen gewinnt die Durchsetzung eines guten Lebens für alle ohne den Zwang zur Lohnarbeit beständig an Attraktivität. Mit den „Beiträgen zum Existenzgeld“ wollen wir Wirkungen des Existenzgeldes deutlich werden lassen, den Lohnarbeitsgedanken in Frage stellen, einige Grundeinkommensansätze als Katalysatoren von Arbeitszwang und Ausgrenzung entlarven und die Themen Menschenrechte und Migration aufgreifen.
"Es ist ein einförmiges Ding um das Menschengeschlecht. Die meisten verarbeiten den größten Teil der Zeit, um zu leben, und das bißchen, das ihnen von der Freiheit übrig bleibt, ängstigt sie so, daß sie alle Mittel aufsuchen, um es loszuwerden." Goethe in: Die Leiden des jungen Werther
Können Arbeit und die auf ihr beruhenden sozialen Beziehungen noch eine Perspektive für gesellschaftlichen Fortschritt bieten, oder sind sie selbst in eine fundamentale Krise geraten?
Wie konnten sich geschlechtshierarchische Arbeitsteilungen durchsetzen, wie werden überhaupt Geschlechterrollen, also binäre Beziehungen zwischen ‚Männern' und ‚Frauen' konstruiert, weshalb werden sie konstruiert und warum braucht der Kapitalismus überhaupt Geschlechterverhältnisse, sowie welche Möglichkeiten gibt es, diese Verhältnisse zu dekonstruieren?
Die Organisation der Arbeit ist aus den Fugen. Wir müssen weg von der Spaltung in entfremdete Industriearbeit, nicht anerkannte unbezahlte »weibliche« Reproduktionsarbeit und erzwungene Erwerbslosigkeit. Dafür gibt es kein Patentrezept, aber ein paar schlüssige Überlegungen wie das Konzept des Versorgenden Wirtschaftens von Adelheid Biesecker, das Konzept der Tätigkeitsgesellschaft von André Gorz oder die Vier-in-einem-Perspektive von Frigga Haug. Die Lösung kann nur ein Gesellschaftsumbau sein, der bei den Ursachen ansetzt.
Angenommen, der räudige Schuft hat die Sache so geschickt eingefädelt, dass sein Erpressungsmanöver mit einer so vertrackten Situation zusammenfällt, dass die Proleten nicht imstande sind zu streiken. Was wird passieren? In Frankreich werden die Gepiesackten ordentlich murren, den Blutsauger verfluchen. Ein paar von ihnen – die Gewitztesten – werden Rabatz machen und die Brocken hinschmeißen. Aber der Rest wird sich in sein Schicksal fügen. In England geht es anders zu, Himmelarsch! Und zwar dank der Sabottage.
»Es gibt unerlaubte Handlungen im (Berufs-)Leben, von denen durchaus geredet wird – aber nur hinter vorgehaltener Hand. Was im privaten Jargon gerne als Notwehr oder Heldentat umschrieben wird, ist juristisch gesehen nichts anderes als Betriebskriminalität. Die Statistiken von Ermittlungsbehörden und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften besagen, dass diese Form der Kriminalität in Österreich und Deutschland in den letzten Jahren gestiegen ist. Im Speziellen nehmen Unterschlagungs- und Diebstahldelikte am Arbeitsplatz deutlich zu, aber auch Produktpiraterie und Industriespionage.
Aus der Sicht der Akteure stellen sich diese Sachverhalte meist entspannter und oft auch amüsant dar. Die Rede ist vom notwendigen Aufbessern des Gehalts in prekären Arbeitsverhältnissen; vom Reiz der unwiderstehlichen Gelegenheit; vom Mitschneiden und Mitnaschen, weil es die anderen und ganz besonders »die da oben« auch tun; von der zwar nicht erlaubten, aber legitimen Eigeninitiative und der sozialen Rebellion; aber auch vom kindischen Unfug, sanften Verweigern, cleveren Austricksen, kreativen Schabernack – nur wenn von der Rache am Chef berichtet wird, kommt mitunter auch ein bitterer und ernsthafter Ton ins Spiel.
Bernhard Halmer und Peter A. Krobath haben sich in den letzten Jahren umgehört und zu Papier gebracht, was eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Naturgemäß konnten sie diese ganz anderen Erzählungen aus der Arbeitswelt nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Doch ob wahr, geschönt oder eine urban legend – das Lexikon der Sabotage gibt einen spannenden und soziologisch interessanten Einblick in die psycho-soziale Befindlichkeit von Arbeitnehmern und freien Mitarbeitern: Vom Tankwart zur Ärztin, vom Polizisten zur Fitnesstrainerin, vom Meinungsforscher zum Schiffskoch, vom Taxifahrer zur Biologin, vom Journalisten zur Buchhalterin, vom Installateur zur Sexarbeiterin und vom Schlafwagenschaffner zur Flugbegleiterin kommen die unterschiedlichsten Berufe zu Wort.
Ein Viertel aller arbeitenden Menschen in Deutschland ist im "prekären" Sektor beschäftigt. Aber die Beschäftigten sind nicht ohnmächtig gegenüber einer zunehmend feindlicher werdenden Arbeitswelt. Martin Kempe hat jene zum Sprechen gebracht, die beginnen, sich zusammenzuschließen, ihre Interessen offensiv zu vertreten und ihre Kraft zur Gegenwehr zu entwickeln. Ob beim einschlägig berüchtigten Drogeriekonzern Schlecker oder in den Call Centern Ostdeutschlands, ob in einer Universitätsklinik oder bei einem bekannten Zulieferkonzern für die Autoindustrie, ob bei einem Hamburger Sandwich-Produzenten oder einem weitverzweigten Konzern der IT-Branche - überall entwickelt sich der Widerstand gegen Ausbeutung, gegen die Missachtung gesetzlicher Arbeitnehmerrechte, gegen Unternehmerwillkür und soziale Ausgrenzung.
Eine kollektive Untersuchung der Ausbeutungssituation in Call Centern offenbart ungeschminkte Innenansichten der Call Center Ideologie. Für alle, die verstehen wollen, wie die Ausbeutungsrealität in Call Centern aussieht, wie die Leute zusammenkommen, wie sie die Arbeit machen und sich gegen sie auflehnen; für alle, die Wege suchen, mit anderen Leuten den alltäglichen Scheißsituationen in der Ausbeutung entgegenzutreten; für alle, welche die Schnauze voll haben von den diversen Vertretern von Parteien oder Gewerkschaften und die Sachen selber in die Hand nehmen wollen;