Seit jeher verstecken Regierungen ihre – oft zynischen und verborgenen – Kriegsmotive hinter hehren Deklarationen: Von Sparta im Kampf gegen Athen über die Feldzüge Napoleons bis zur aktuellen Invasion des Irak, die mit dem noblen Vorsatz gerechtfertigt wurde, ein Land von einem blutigen Regime zu befreien und »zu demokratisieren«. Von diesen exemplarischen Fällen ausgehend, polemisiert Luciano Canfora gegen jene »moralische, kulturelle und politische Verdrehung der Tatsachen«, die es einem Staat erlaubt, seine Hegemonie zu betreiben und sich zugleich als Verfechter der Freiheit auszugeben.
Auch in der Bundesrepublik übertrafen sich nach den Terroranschlägen von New York, Madrid und London Parteien und Sicherheitspolitiker gegenseitig mit Gesetzesvorschlägen, die der Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger dienen sollen, mit Sicherheit aber ihre Freiheitsrechte einschränken.
Die arabischen Länder des Nahen und Mittleren Ostens werden bei uns meist nur dann wahrgenommen, wenn über Kriege und politische Gewalt berichtet wird. Militärische Besatzung, Widerstand und terroristische Anschläge bestimmen unser Bild der Region, ohne dass die Hintergründe und Ursachen der Konflikte verstanden werden.