Zurecht kritisiert die AGB die zunehmende Verwandlung der Güter dieser Erde (z.B. Trinkwasser) in Waren. Immer grössere Bereiche der Gesellschaft und des menschlichen Lebens werden dem kapitalistischen Verwertungsprozess unterworfen. Allerdings verliert die AGB in diesem Zusammenhang kein Wort über den alltäglichen Kapitalismus mit seiner Lohnarbeit, Konkurrenz, Verschwendung, Barbarisierung, Entfremdung, etc. und darüber dass die menschliche Arbeitskraft und damit ein jeder von uns längst selbst zu einer Ware gemacht worden ist und dieses System hierauf basiert.
Der Faschismus wird nicht übermächtig aus eigener Stärke, sondern aus der Schwäche seiner Gegner. Man kann dies als Leitsatz der Essays Christian Riechers’ verstehen. Welchen Anteil haben taktische Fehlentscheidungen und ideologische Phraseologie, exemplarisch verdichtet in den Maßnahmen stalinistischer Gängelung, an der welthistorischen Niederlage der Arbeiterbewegung in den 20er Jahren? Im Mittelpunkt stehen die linkskommunistische Kritik am beginnenden Stalinismus und mehr noch der Zusammenhang von Arbeiterbewegung und Faschismus.
Seit 10 Jahren habe ich viel Traurigkeit gesehen und erlebt; ich habe gesehen, wie die Oktoberkämpfer unter der Gewalt und Repression schwach wurden, wie sie ihre Hellsichtigkeit in der Unterdrückung verloren, wie sie sich zu Widerrufen hergaben, um dahinzuvegetieren. Ich habe gesehen, wie junge Kommunisten in der UDSSR erschossen wurden; ich habe gesehen, wie die große Partei Lenins zu dem wurde, was sie heute ist - ein mächtiger Regierungsapparat, gegründet auf Privilegien und passivem Gehorsam.
Die Wirtschafts- und Finanzkrise, die seit 2008 in Wellen das ganze kapitalistische Weltsystem durchschüttelt, nimmt und nimmt kein Ende. Dies unterstreicht die Bedeutung einer grundsätzlichen gesellschaftlichen Veränderung und damit einer neuen Sozialismuskonzeption, die die Ursachen für das Scheitern von 1989/91 verarbeitet. Dazu soll »Der dritte Anlauf« einen Beitrag leisten.
Mit der Schriftensammlung "Der junge Marx" haben Stefan Kraft und Karl Reitter den Versuch unternommen, die wichtigsten Argumente, Thesen und Textstellen im Marxschen Frühwerk aufzuspüren und ihre Aktualität in der Beantwortung heutiger gesellschaftspolitischer Fragen unter Beweis zu stellen.
Trotz des staatssozialistischen Scheiterns im 20. Jahrhundert wäre es eine Torheit, Marx als toten Hund zu behandeln. Doch vermag das marxistische Projekt solidarischer und ökologisch nachhaltiger Vergesellschaftung nicht zu leben, ohne dass wir seinen bisherigen geschichtlichen Lebenslauf und seine ›philosophische Grammatik‹ historisch-kritisch unter die Lupe nehmen und seine Umsetzung durch die leninsche Revolution neu bewerten.