
»Behindertsein ist schön!«, »Lieber lebendig als normal!« oder »Nichts über uns – ohne uns!« – diese Ausrufe sind kennzeichnend für ein starkes Selbstbewusstsein behinderter Menschen. Doch der Aufbruch vom dankbaren Objekt der Fürsorge zum Ziel der Autonomie und Selbstbestimmung erforderte Kämpfe, die in Vergessenheit zu geraten drohen. Die übliche Perspektive der »Sonderkarriere« von der Sonderschule bis zum Sonderfriedhof zu durchbrechen, erforderte Mut und einen langen Atem. Denn festgefügte Strukturen der Aussonderung, vielfältige Diskriminierungen und alltägliche Entrechtung gehörten zur unhinterfragten Tradition im Umgang mit behinderten Menschen.
»Frech und frei« erzählt vom Widerstand einer sich entwickelnden Selbstbestimmt-Leben-Bewegung seit der Mitte der 1970er-Jahre. Es berichtet von der permanenten Auseinandersetzung mit gängigen Normen, Werten und Körperidealen, die noch oft die Prägungen der nationalsozialistischen Vergangenheit aufwiesen. Es erinnert an Demonstrationen gegen behindertenfeindliche Gerichtsurteile und an Bühnen- und Rathausbesetzungen. Es dokumentiert Proteste für die barrierefreie Nutzung von Bus und Bahn und zeichnet die Gegenwehr gegen neue »Euthanasie«-Forderungen und die Selektion durch humangenetische Techniken nach. Es skizziert den steinigen Weg, bis die Behindertenrechte Eingang in das Grundgesetz fanden, und warnt vor einem drohenden Rollback durch das Erstarken rechtsradikaler Denkweisen.
Das mit Plakaten, Flugblättern und Zeitungsartikeln bebilderte Buch unterstreicht die Erkenntnis: Ohne die bewusste Verletzung von Regeln und Gesetzen wären die Erfolge der emanzipatorischen Behindertenbewegung undenkbar gewesen.
Buch, 152 Seiten
18,50 €
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Art.-Nr.: 7000