Nach dem Virus ist vor dem Virus. Denn Pandemien sind gekommen, um zu bleiben. So sind auch die in diesem Buch diskutierten Entwicklungen von Relevanz über das Coronavirus hinaus. Der politische und gesellschaftliche Umgang mit dem Corona-Virus ist ein Lehrstück. Was haben Viren und Klimawandel, Angst und Herrschaft, Gesundheit und Bio-Politik miteinander zu tun?
Autor*innen: Gerald Grüneklee
Der heute fast vergessene K.F. Kocmata – ihn diesem Vergessenwerden zu entreißen ist ein Verdienst des vorliegenden, übrigens bis in die kleinsten Details hervorragend recherchierten Buches – war u.a. Gründer des „Verlag der Ver!“, eines heute ebenfalls weithin vergessenen Verlagsprojektes, zu dem im „Geschichtswiki“ des Wiener Geschichtsvereins zu lesen ist: Da der Verlag nicht protokolliert und die Freie Künstlervereinigung „Ver“ offensichtlich kein angemeldeter Verein war, lassen sich keine Details über weitere eventuelle Gründer bzw. Mitglieder und keine genauen Daten ermitteln. Verfolgen kann man die Geschichte des Verlags aber weitgehend anhand der zunächst monatlich, vorübergehend auch zweiwöchig erscheinenden Zeitschrift „Ver!“. Gründer und Herausgeber war der vielseitige, politische engagierte Autor und spätere Soldatenrat Karl F. Kocmata. Die Zeitschrift Ver!, die sich unmittelbar nach Ausrufung der Republik gerne als „Monatsschrift für revolutionäre Kunst“ apostrophierte, nahm im Laufe ihres Erscheinens regelmäßig zu Fragen der Politik, der Kunst, der Medizin und der Literatur – in erster Linie in Form von Buchbesprechungen (etwa durch Fritz Karpfen und Herbert Waniek) – Stellung. Lyrik und kurze Erzählungen nahmen eine prominente Stellung ein. Am häufigsten vertreten war neben Kocmata Peter Altenberg, der das Emblem „Ver!“ entwarf und u.a. den ersten Beitrag des ersten Hefts verfasste. Gleichermaßen bemerkenswert sind die in der Zeitschrift „Ver!“ veröffentlichten Originalholzschnitte und Lithographien von Künstlern wie Johannes Fischer, Karl Angerer, Agathe Löwe, Egon Schiele, Josef Humplik und Carl Hauser. Das letzte von Karl F. Kocmata herausgegebene Heft erschien im Februar 1921. Doch nicht nur auf den Literaten, Redakteur und Verleger wird eingegangen, sondern auch auf Kocmata als Revolutionär zwischen kommunistischem, individualistischem und anarchosyndikalistischen Anarchismus, seine Fehden u.a. mit Pierre Ramus und Alexander Weiszsowie auf den langen Weg nach unten Kocmatas.
Autor*innen: Reinhard Müller
Autor*innen: Fredy Perlman
Die Idee der Freiheit wirkt integral in alle Lebensbereiche, insbesondere in die Ökonomie: Ob als Grundlage moderner Wirtschafts-, Arbeits- und Organisationsformen, ob als Konsumentensouveränität, ob als Gestaltungsproblem bei der (Selbst-)Organisation, der "Traum vom freien Leben" bewegt die Menschen. Bedingungs- und grenzenlose Freiheit ist dabei höchst umstritten, wobei stets auch die Furcht vor Chaos und Gewalt, vor anarchischen Zuständen mitschwingt. Zugleich leben wir auch in liberalen Gesellschaften reglementiert, haben gesellschaftliche und staatsbürgerliche Pflichten aller Art und auch die Zwänge der globalen Wirtschaft diktieren den Alltag. Die vor diesem Hintergrund propagierten Alternativkonzepte kann nur verstehen und bewerten, wer sie im Hinblick auf ihren Entstehungskontext, ihre philosophischen Grundlagen und Vordenker einzuordnen vermag. Dieser anspruchsvollen Aufgabe widmet sich der Autor in seiner dennoch gut verständlichen Darstellung.
Autor*innen: Cyrus Achouri
Mit der Arena-Besetzung vor 50 Jahren fand die alternative Szene Wiens eine Heimat, die bis heute ein äußerst vitaler Treffpunkt und Veranstaltungsort geblieben ist. Dieses Buch erzählt die faszinierende Geschichte der einstigen Schweineschlachthalle, von ihrer Entstehung im frühen 20. Jahrhundert über die mutige Besetzung 1976 bis zur heutigen Rolle als Herzstück der pulsierenden Wiener Gegenkultur.
Autor*innen: Verein Forum Wien Arena
Der Band dokumentiert die Ausstellung zur Theorie- und Politikgeschichte des Marxisten Karl Korsch (1886–1961), die zuerst im September 2022 in Jena gezeigt wurde. Daneben enthält der Band die zur Ausstellung gehaltenen Vorträge zur Wirkungsgeschichte insbesondere der berühmt gewordenen Marxistischen Arbeitswoche in Geraberg/Arnstadt in Thüringen während der Pfingstwoche 1923. Die Marxistische Arbeitswoche kann als erstes Theorieseminar des legendären Frankfurter Instituts für Sozialforschung gelten, das heute ebenfalls seinen hundertsten Geburtstag begeht.
Autor*innen: Michael Buckmiller (Hg.)
Der Häftling Mikola Dziadok schrieb von 2010 bis 2015 Essays über das Innenleben der Gefängnisse und Straflager in der Republik Belarus. Damals saß er aus politischen Gründen ein - die jüngste Repressionswelle unter Diktator Lukashenko brachte ihn wieder hinter Gitter. Im November 2021 wurde der Autor erneut zu fünf Jahren Haft verurteilt. Dziadok beschreibt und analysiert den Gefängnisalltag und wesentliche Elemente des belarusischen Strafvollzugssystems - bis hin zur Selbstverletzung als äußerstem Mittel der Gefangenen, um ihr eigenes Leben, ihre Gesundheit und Würde zu schützen. Das belarusische PEN-Zentrum hatte das Buch 2018 mit dem Franzischka Aljachanowitsch Preis ausgezeichnet, als bestes Buch, das in Haft verfasst wurde. Inzwischen wurde das PEN-Zentrum vom Regime aufgelöst.
Autor*innen: Mikola Dziadok
Im September 1919 besetzen 2.500 Freischärler unter der Führung des Exzentrikers, Dichters und Kriegshelden Gabriele D’Annunzio eine kleine, kroatische Küstenstadt und errichten dort auf den Trümmern des Habsburgerreichs die Republik von Fiume. Hier führen sie ein bizarres Spektakel antagonistischer Elemente auf: Militärparaden, Fackelzüge und Kriegsverherrlichung, vereint mit einem nicht abreißenden Happening von freier Liebe, Drogen und FKK. Es ist die Geschichte der Marionettenrepublik von Fiume, die von September 1919 bis Dezember 1920 ein bizarres, aus der Zeit gefallenes Fest feiert.
Autor*innen: Kersten Knipp
Autor*innen: Jule Bombon
Was ist das Patriarchat, und wie ist es entstanden? Jahrhundertelang sahen Gesellschaften männliche Vorherrschaft als natürlich an. Was aber, wenn wir nicht davon ausgehen, dass Männer stets über Frauen herrschten? Wenn wir die Ungleichheit der Geschlechter als etwas Fragiles wahrnehmen, das immer wieder neu durchgesetzt werden muss?
Autor*innen: Angela Saini
Die Schwarze Botin war das bedeutsamste Periodikum der Neuen Frauenbewegung. Trotz der Kontroversen, die sie auslöste, steht die in West-Berlin verlegte Zeitschrift bis heute im Schatten von EMMA und Courage. Eine Vielzahl der Autorinnen ist später weit über feministische Kreise hinaus bekannt geworden. Für die Zeitschrift schrieben Rita Bischof, Silvia Bovenschen, Gisela Elsner, Elfriede Jelinek, Ursula Krechel, Julia Kristeva, Elisabeth Lenk, Eva Meyer, Heidi Pataki, Heidi von Plato, Christa Reinig, Sarah Schumann, Ginka Steinwachs, Gisela von Wysocki und viele andere. Die Redaktion um die beiden Herausgeberinnen Gabriele Goettle und Brigitte Classen verfolgte mit dem Avantgarde-Journal nur ein Ziel: Aus der Frauenbewegung kommend eine Kritik an derselben zu formulieren - unerschrocken davor, sich Feindinnen und Feinde in den anderen feministischen Fraktionen wie in der politischen Linken zu machen.
Autor*innen: Vojin Sasa Vukadinovic (Hg.)
In ihrem Roman „Die Waffen nieder“ (erstmalig veröffentlicht 1889) lässt Gräfin Martha Althaus ihr von vier Kriegen und zahlreichen Schicksalsschlägen geprägtes Leben anhand gesammelter Artikel, Briefe und Tagebucheinträge Revue passieren. Zunächst voll Patriotismus und vom Heldenmut der Soldaten und den schicken Uniformen der Husaren schwärmend, wandelt sich ihre anfängliche Begeisterung schnell in eine tiefe und prinzipielle Abneigung gegen den Krieg, der so viel Leid verursacht. In ihrem Einsatz und Bestreben für ein friedliches Miteinander und gegen den Wahnsinn militärischer Auseinandersetzungen entwickelt Martha immer mehr Eigenständigkeit. Ein Roman, wie er aktueller nicht sein könnte.
Autor*innen: Bertha von Suttner