Meine umfangreiche Auswahl von Büchern und Broschüren zu den verschiedensten Themenbereichen - Gesamtübersicht.
Herrschaft lässt sich nicht durch die Wirkung von Spitzeln erklären. Aber es gibt sie und Polizeien und Geheimdienste versuchen sehr wohl, den Lauf der Geschichte und den Weg emanzipatorischer Bewegungen zu beeinflussen. Aktivist:innen haben Grund zu der Annahme, in den Wirkungsbereich von Spitzeln zu geraten. In all ihren Erscheinungsformen können die sehr zahlreich sein, es waren in den letzten Jahrzehnten hunderte, die auf Bewegungen, Parteien und Einzelne angesetzt wurden. Nicht alle waren gut platziert, nicht alle waren effektiv, aber auch nur die allerwenigsten sind bekannt geworden.
Autor*innen: Klaus Viehmann; Markus Mohr
Die Proteste, die in den letzten fünf Jahren Indonesien erschütterten und ihre Ursache in den verschiedensten Faktoren haben (Änderungen des Wahlrechts, Korruption, wirtschaftliche Missstände und Unzufriedenheit mit der Regierung und der Brutalität der Polizei) flammten im August 2025 neu auf, als es zu einer massiven Steuererhöhung kam, während sich die politischen Eliten ihre Gelder erhöhten. Als am 28. August der Kurierfahrer Affan Kurniawan von der Polizei ermordet wurde, weitete sich der Protest zu Aufständen von Lieferant*innen, Anarchist*innen und Jugendlichen aus. Demonstrant*innen plünderten mehrere Polizeistationen, brannten die Häuser von Politikern nieder und steckten Regierungsgebäude in Brand.
2015 kamen Debatten in antifaschistischen Zusammenhängen auf, wie und mit wem der drohende Faschismus aufzuhalten sei. In zahlreichen Zeitschriften und Blogs finden sich seitdem Veröffentlichungen zum Stand antifaschistischer Bewegung, zu Repression gegen Antifas, zu Entwicklungen der extremen Rechten und zur autoritären Zuspitzung staatlicher Politik. Für dieses Buch wurden einige Texte ausgewählt und zusammengestellt. Zusätzlich finden sich historische und internationale Perspektiven zum Thema. So soll der Stand aktueller Antifa-Debatten dokumentiert und damit eine Grundlage geschaffen werden, diese in die Praxis zu übersetzen und weiterzuentwickeln.
Angela Y. Davis beleuchtet den diskriminierenden und rassistischen Alltag im amerikanischen Strafvollzug und dessen verheerende Folgen für die amerikanische Gesellschaft. Ihre Analyse des gefängisindustriellen Komplex der USA fragt nach Interessen und Mächten, die in diesem System wirken und erinnert an die menschliche Katastrophe, die sich in unseren Gefängnissen millionenfach wiederholt. Sie fordert dazu auf, nach dem Warum zu fragen und uns eine Gesellschaft ohne Gefängnisse vorzustellen.
Autor*innen: Angela Y. Davis
Der 2. Band von Rudolf Rockers Autobiographie der hier erstmals komplett in deutsch (komplette Veröffentlichungen gibt es nur in spanisch und jiddisch aus den 1950er und 1960er Jahren) vorliegt, umfasst die Jahre von 1895 bis 1918, die Rocker hauptsächlich in England verbrachte. Großen Raum nimmt sein Wirken innerhalb der jüdischen anarchistischen Bewegung ein. Rocker beschränkt sich in seinen Memoiren nicht nur auf die Schilderung seines eigenen Handelns, sondern lässt auch anderen Akteuren Raum und gibt damit einen interessanten Einblick in die Geschichte der freiheitlichen Arbeiterbewegung im genannten Zeitraum. Der Band endet mit seiner Repatriierung nach Holland im Frühjahr 1918 nach mehrjähriger Internierung als feindlicher Ausländer.
Autor*innen: Rudolf Rocker
»Schafft Rote Hilfe!«, »Helft!«, »Solidarität organisieren!«: Slogans wie auch Logos änderten sich in der über hundertjährigen Geschichte der Roten Hilfe. Unverändert blieb die Praxis der Unterstützung linker Aktivistinnen und Aktivisten gegenüber staatlicher Repression – finanziell, juristisch und durch Öffentlichkeitsarbeit. Der Band skizziert die Solidaritätsarbeit der Rote-Hilfe-Organisationen von den Anfängen bis heute. Die 1924 gegründete KPD-nahe, aber parteiübergreifende Rote Hilfe Deutschlands (RHD) umfasste in der Weimarer Republik zuletzt rund eine Million Mitglieder. Politischen Gefangenen und deren Familien stand sie materiell zur Seite, finanzierte Rechtsbeistände und protestierte gegen Gesetzesverschärfungen. Ab März 1933 konnte sie in der Illegalität noch mehrere Jahre effektiv agieren.
Autor*innen: Silke Makowski
Pornografie wird in einem so hohen Maß konsumiert, dass sie als Teil alltäglicher sexueller Praxis gesehen werden muss. Die Debatte ist polarisiert: Einerseits wird Pornografie als unmoralisch abgelehnt, andererseits als vermeintlich befreite Form der Selbstentfaltung gefeiert. Der Sammelband präsentiert Positionen zwischen dem konservativen sexuellen Tabu und der neoliberalen Verharmlosung. Dabei stellt sich als eine zentrale Frage, warum sexuelle Gewalt in der Pornografie als Unterhaltung inszeniert wird.
Autor*innen: Feministisches Bündnis Heidelberg (Hg.)
Tattoo-Artist Yase Farbextase und Kindermusikerin Suki Sukini (bekannt als Rapperin Sookee) laden in ihrem ersten gemeinsamen Kinderbuch zu einer Reise durch die Welt der Emotionen ein. Begleitet von Reimen entdeckt ein kleines Wölkchen die große Welt der Gefühle: Freude, Wut, Trauer, Ekel und Angst. Doch hier geht es nicht darum, Emotionen in „gut“ oder „schlecht“ einzuteilen, sondern sie als wichtige Begleiter zu verstehen. Ein Buch, das Mut macht, Gefühle zu fühlen – und generationenübergreifend ins Gespräch bringt.
Autor*innen: Suski Sukini; Yase Farbextase
Das Buch beleuchtet den Einfluss von Hausbesetzungen, Umnutzungsinitiativen und Beteiligungsverfahren auf die Städtebau- und Stadtentwicklung Hannovers. Es beschreibt 50 Hausbesetzungsaktionen, die Entstehung erfolgreicher lokaler Selbstverwaltungsprojekte wie UJZ Kornstraße und Glocksee, Sprengelgelände sowie den „hannoverschen Weg“ zur Legalisierung von Bauwagenplätzen. Im Fokus steht das Zusammenspiel von Politik, Verwaltung und Aktivismus zur Durchsetzung sozialer, kultureller und politischer Anliegen.
Autor*innen: Tanja Tschöke
Die Themen Antisemitismus, der Krieg in Palästina und die Haltung der Linken zu beidem stehen in Deutschland gegenwärtig im Mittelpunkt der politischen Debatte. Das Buch beleuchtet die Hintergründe und widerspricht zugleich der insbesondere in Deutschland weit verbreiteten Identifikation von Judentum und Israel. Die Mehrheit der Juden lebte vor dem Zweiten Weltkrieg in der Diaspora, gehörte zur Arbeiter:innenklasse und war Teil eines breiteren Kampfes an der Seite ihrer nichtjüdischen Genoss:innen auf der Linken. Das Buch würdigt diese radikale jüdische Beteiligung an Befreiungsbewegungen in zahlreichen Ländern. Der Kampf gegen Unterdrückung und Ausbeutung nahm vielfältige Formen an, von linkem Zionismus, über den Bundismus bis hin zum revolutionären Marxismus. Diese inspirierende radikale Tradition wurde schließlich durch das Grauen von Auschwitz gestoppt.
Autor*innen: Donny Gluckstein, Janey Stone
Was passiert, wenn ein VW-Arbeiter, ein Aktivist und eine Mobilitätsexpertin an einem Tisch sitzen? Ziemlich viel – und vor allem: Es knistert. Hier treffen Welten aufeinander, die sonst gerne gegeneinander ausgespielt werden: Fabrikhalle vs. Klimacamp. Blaumann vs. Fahrradhelm. Schichtplan vs. Systemwandel. Aber was wäre, wenn genau aus diesen Unterschieden etwas Gemeinsames entstehen kann? Ausgerechnet in Wolfsburg, mitten in der Höhle des Löwen der Automobilindustrie, wurde diese unwahrscheinliche Allianz Realität. Und sie zeigt: Es geht nicht darum, Autos zu hassen oder Arbeitsplätze zu feiern. Es geht darum, sich ehrlich zu fragen: Was brauchen wir wirklich? Und wer entscheidet das eigentlich?
Autor*innen: Katja Diehl, Thorsten Donnermeier, Tobi Rosswog
Der Zusammenbruch der osteuropäischen „realsozialistischen“ bürokratischen Regime und der Zerfall der marxistisch-leninistischen Ideologie bilden den großen historischen Einschnitt am Ende des 20. Jahrhunderts – und wie die aktuelle weltpolitische Lage dramatisch zeigt, bleiben dessen gesellschaftlichen Folgen auf brutale Weise bis heute wirksam und präsent. In den langen Jahrzehnten des Kalten Krieges zuvor, als jene Regime und jene Ideologie im Osten über die Bevölkerungen geherrscht und sie im Westen viele Intellektuelle fasziniert hatten, schien es für die meisten bloß die Wahl zwischen der Verteidigung des amerikanischen Imperialismus oder der russischen Bürokratie zu geben. Mutige Stimmen wie die von Cornelius Castoriadis, die es offen und kompromisslos wagten, sich gegen beide zu stellen und beide einer radikalen Kritik zu unterziehen, waren lange selten.
Autor*innen: Cornelius Castoriadis