Sollten Kinder ihre Lehrer selbst wählen? Kann man Autoritäten aus der Schule vollständig entfernen? Sollten Kinder erzogen werden? Wenn ja, wie sollten Kinder erzogen werden? Wo sollten sie erzogen werden? Wie verhält sich die Frage der Erziehung zu den Kämpfen gegen Unterdrückung und Ausbeutung? Und noch viele weitere Fragen stellten sich Anarchisten schon lange, in dem Bewusstsein, dass der Weg zu einer herrschaftsfreien Gesellschaft selbstbestimmte Individuen erfordert, die für ihr Recht und das der anderen eintreten, die weder herrschen, noch beherrscht werden wollen! Der Band versammelt Texte aus den Jahren 1869 bis 1907, oftmals Erstübersetzungen ins Deutsche, die sich mit verschiedenen Fragen der Erziehung aus anarchistischer Perspektive beschäftigen.
„Wir vertreten ein großartiges Gesellschaftsideal; das wesentliche Hindernis für seine schnelle Umsetzung liegt in der knechtischen Gesinnung der heutigen Massen und ihrer Angst vor der Freiheit. Lasst uns also eine freie und stolze Generation heranziehen, die jedes Joch und jede äußere Anleitung verachtet: das ist ein schöner und ergiebiger Ansatz zur Propaganda. Denn das Gewicht der Erziehung bei der Entwicklung künftiger Generationen ist gewaltig. In dieser Zeit des allgemeinen Niedergangs, der moralischen Erschlaffung, der umfassenden Banalität ist sie eines der wirksamsten Mittel, um die Menschheit aus dem Morast zu befreien, in dem sie steckt.“ André Girard (1897)
„Es gibt einen Bereich, der selbst in der freiheitlichsten Gesellschaft ein gewisses Maß an Autorität erfordert, nämlich die Erziehung.“ Charles Malato (1897)
„Keine Schule mehr unter dem willkürlichen Regiment eines Pädagogen, in der die zitternden Schüler sich nach der Freiheit und den Spielen draußen sehnen. Die Kinder werden in ihren Versammlungen vollkommen frei sein: sie werden ihre Spiele und ihre Besprechungen selbst organisieren, ein Büro einrichten, um ihre Arbeiten zu koordinieren, Vermittler bestimmen, um ihre Streitigkeiten zu schlichten, usw. Sie werden sich auf diese Weise an das öffentliche Leben, an Verantwortung, an Gegenseitigkeit gewöhnen. Der Lehrer, den sie aus eigenem Antrieb wählen, um ihnen einen bestimmten Unterricht zu erteilen, wird für sie kein verabscheuter Tyrann sein, sondern ein Freund, dem sie mit Vergnügen zuhören.“ James Guillaume (1876)
Buch, 243 Seiten
Viva La Anarquía
1948 als drittes von insgesamt sechs Kindern einer Arbeiterfamilie in Barcelona geboren, eignet sich Antich früh politisches Denken und praktischen Widerstand gegen die Unterdrückung an. Bereits sein Vater ist während der Zweiten Republik Aktivist der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung und überlebt nach dem Sieg der Franquisten im spanischen Bürgerkrieg 1939 in französischen Internierungslagern. Nach Proklamation des Vichy-Regimes wurden allerdings tausende Spanier aus den französischen Konzentrationslagern ins Nazireich oder nach Spanien deportiert, 5.000 ehemalige Spanienkämpfer kommen z.B. alleine in Mauthausen um. Nach Spanien zurückgekehrt, wird Antichs Vater zunächst zum Tode verurteilt und nur im letzten Moment begnadigt. Es wird gemeinhin angenommen, dass Salvador Puig Antich nach seinem eigenen Todesurteil 1975 nicht um Gnade bittet, da er nicht wie sein Vater enden will, der nach der Begnadigung sein restliches Leben ein „gebrochener Mann“ und an politischem Kampf nicht mehr interessiert ist. Salvador will lieber sterben als so zu enden ...
Der Anarchismus bietet eine hervorragende Grundlage für eine prinzipielle Rechtskritik. Dies schließt jedoch nicht aus, dass auch eine andere Art des Denkens über Recht möglich ist. Die „positive Anarchie“ beinhaltet ein Gesellschaftsbild ohne unterdrückende Macht und stützt sich auf Ordnung, Dynamik, Rationalität sowie Mutualismus und Föderalismus. Dieses Konzept lässt sich mithilfe des Rechts näher ausarbeiten. Der Gedanke findet sich bereits bei Proudhon, Kropotkin und Bakunin, vor allem aber bei der niederländischen libertären Juristin Clara Meijer-Wichmann, die vor über einem Jahrhundert ihre Sichtweise zum Strafrecht entwickelte.